Fußball

Drohnenflugverbot auf dem Sportgelände von RW Walldorf

Aus gegebener Veranlassung dürfen Drohnenflüge auf/über das Sportgelände von Rot-Weiss Walldorf ausschließlich mit Genehmigung des Fußballvorstandes durchgeführt werden.

Grundsätzlich sind die gesetzlichen Vorschriften und Auflagen zu beachten

 

Abstürzende Drohne verletzt Schiedsrichterin bei Testspiel

Der Vorfall beim Testspiel zwischen Rot-Weiss Walldorf und der U19 des SV Wehen Wiesbaden wirft Fragen auf. Wird Klubs nun der Drohneneinsatz bei Fußballspielen verboten?

Walldorf. Das hat es so auch noch nicht gegeben. Bei einem Testspiel zwischen Hessenligist Rot-Weiss Walldorf und der U19 von Fußball-Drittligist SV Wehen Wiesbaden stürzte eine Drohne ab und verletzte eine Schiedsrichter-Assistentin. Der ungewöhnliche Vorfall ereignete sich beim Freundschaftsspiel am 20. Januar, wie Verbandsfußballwart Matthias Schmelz auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte. Demnach sei eine Drohne, die zur Aufzeichnung von Spielszenen für die spätere Analyse eingesetzt wurde, während der Partie abgestürzt und habe dabei eine Linienrichterin verletzt. Verbandsfußballwart Schmelz kritisierte den Vorfall.

Drohne trifft Schiedsrichter-Assistentin: Spiel unterbrochen

Was war passiert? Das Spiel zwischen Rot-Weiss Walldorf und der U19 des SVWW (3:2) auf dem Kunstrasenplatz (KR1) in Mörfelden-Walldorf war gerade erst angepfiffen, als eine Drohne abstürzte und die Schiedsrichter-Assistentin Julia Dörr an der Wange und an der rechten Hand traf. Die 26-Jährige, die für den TSV 03 Wolfskehlen pfeift, berichtet über den Schockmoment: „Ich war erste Assistentin und stand an der Mittellinie bei den Trainern.“ Das war in der zweiten Spielminute gewesen. „Da streifte mich plötzlich etwas im Gesicht und fiel auf meine rechte Hand.“ Dörr schaute zu Boden. „Da lag die Drohne zu meinen Füßen.“

Via Headset mit den beiden anderen Schiedsrichtern Patrick Werner und Pius Granacher teilte Dörr ihren Kollegen den Vorfall mit. Im allerersten Moment begriffen diese gar nicht, was eigentlich vorgefallen war. „Es ging nichts mehr, ich konnte nichts mehr machen“, schildert Dörr weiter. Das Spiel wurde dann für rund fünf Minuten unterbrochen. „Der Mannschaftsarzt von Wehen Wiesbaden hat sich direkt um mich gekümmert.“ Dörr hatte zwei Schrammen an der rechten Wange, die auch geblutet haben, und Schmerzen an der Hand.

Schiedsrichter-Assistentin hat Anzeige erstattet

Die Untersuchung am nächsten Tag beim Arzt mit Röntgenaufnahme habe nichts Konkretes ergeben. Der Arzt vermutete eine Prellung des Handgelenks oder eine Kapselverletzung. „Die Stelle ist noch leicht verfärbt, ich habe aber keine Schmerzen mehr“, so Dörr. Die selbst zuvor noch keine Erfahrungen mit dem Einsatz von Drohnen bei einem Fußballspiel gemacht hat. Zumal der Vorgang bei den Schiedsrichtern nicht angemeldet gewesen sei. Gegen den Piloten der Drohne hat Dörr Anzeige erstattet.

Drohnenabsturz: SVWW entschuldigt sich für Vorfall

Die Drohne wurde zur Analyse des Spiels eingesetzt, wie der SVWW auf Nachfrage mitteilte und sei von einem erfahrenen Mitarbeiter des Vereins gesteuert worden. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Der Flug erfolgte – wie vorgesehen – hinter dem Dach der Zuschauertribüne, sodass für die Zuschauenden zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestand.“ Im Moment des Vorfalls sei es zu einem plötzlichen Verlust des Funksignals gekommen, in dessen Folge die Drohne abstürzte. „Wir bedauern den Vorfall sehr und entschuldigen uns in aller Form dafür“, beteuert NLZ-Leiter Matthias Henn. „Mit der Linienrichterin stehen wir in Kontakt und haben uns persönlich bei ihr entschuldigt. Als Zeichen unseres Respekts und unserer Wertschätzung haben wir sie gemeinsam mit einer Begleitperson zu einem Heimspiel unserer Profis in den VIP-Bereich der Brita Arena eingeladen.“

Verband plant Rundschreiben: Vorfälle juristisch klären

Für Verbandsfußballwart Schmelz ist klar: „Wir lassen das juristisch aufarbeiten.“ In der darauffolgenden Restrundenbesprechung der Verbandsliga Nord kündigte Schmelz an, ein Rundschreiben an alle Vereine zu senden. „Mein Verständnis für solche Vorfälle ist sehr begrenzt“, erklärte Schmelz, der gleichzeitig auch Klassenleiter der Verbandsliga Nord ist. Er betonte, dass Zuschauer oder Schiedsrichter in solchen Fällen sogar die Polizei einschalten könnten.

Drohnen: Regeln und Anforderungen bei Sportevents

Technische Hilfsmittel wie Kameras auf Stativen oder Drohnen sind heutzutage bei Fußballspielen weit verbreitet, um Spielszenen für die Analyse festzuhalten, wie RW-Trainer Artur Lemm bestätigt. „Das ist natürlich hilfreich, um sich Spielszenen nochmal genau anzuschauen, die man früher nur beschreiben konnte.“ Einen Vorfall wie beim Testspiel habe Lemm selbst so auch noch nicht erlebt.

Der Einsatz von Drohnen wird primär durch die EU-Drohnenverordnung geregelt. Grundsätzlich gilt ein Flugverbot über Menschenansammlungen. Für den Einsatz bei Fußballspielen muss in Deutschland die ausdrückliche Zustimmung der Vereine, Trainer und Schiedsrichter erfolgen. Darüber hinaus besteht eine Registrierungspflicht sowie gegebenenfalls ein Drohnenführerschein.

Schiri-Chef Klaus Holz: HFV muss auf Vorfall reagieren

Für den im Rheingau beheimateten Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses im Hessischen Fußball-Verband (HFV) Klaus Holz steht nach diesem Zwischenfall fest, dass „etwas passieren muss. Nicht auszudenken, wenn die Drohne ein paar Zentimeter versetzt zentral auf sie runtergefallen wäre. Auf diesen Vorfall muss der HFV reagieren.“ Am Fastnachts-Samstag kommen die Mitglieder des Verbandsspielausschusses zusammen. Klaus Holz geht davon aus, dass es danach ein Rundschreiben an alle hessischen Fußballvereine geben wird und Spielaufnahmen mittels Drohnen untersagt werden.

Das wäre auch der Wunsch von Julia Dörr.


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